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19 | Lüneburg – Reich durch Salz

Salzvorräte der Erde sind ungleich verteilt. Salz an Orten fernab vom Meer und abseits von Salzstöcken war teuer. Wohl dem, der eine Salzquelle sein Eigen nannte, wie zum Beispiel die norddeutschen Lüneburger.

Das Geschäft mit dem Salz begann in Lüneburg schon vor über 1.000 Jahren. Jedenfalls haben Geschichtsforscher Dokumente gefunden, in denen die Salzvorkommen im Jahre 956 zum ersten Mal erwähnt werden. Die Salzquellen waren Salzquellen im wahrsten Sinne des Wortes. Die Lüneburger mussten das Salz gar nicht erst mühselig in unterirdischen Stollen aus der Erde brechen. Eine natürliche, unterirdische Wasserquelle übernahm einen Teil der Abbauarbeit: sie durchfloss die feste Salzschicht, löste dabei das Salz und machte das Wasser zu einer Salzlösung. Die Sole, wie man sie auch nennt, wurde wie Süßwasser in einem Brunnen, erst mit Eimern und später mit Pumpen, nach oben geholt. Salz trennt sich vom Wasser durch Verdunstung. Da in nördlichen Gegenden die Sonne nicht so häufig und so warm scheint wie im Süden, griffen die Lüneburger zu einfachen Mitteln. Sie erhitzten die Sole in riesigen Pfannen, so genannten Siedepfannen, die etwa ein Meter groß waren. Die Riesenpfannen standen in „Siedehäusern“ auf speziellen Lehmöfen, die ständig beheizt wurden. Die Stadt Lüneburg rodete ganze Wälder ihrer Umgebung ab, um die Saline – so heißt eine Anlage, in der eine Sole ausgebeutet wird – in Gang zu halten. Die Holzfeuer unter den Siedepfannen brannten so lange bis die Feuchtigkeit aus dem Salz verdunstet war. Danach kam das Salz in große Lager, wo es bis zum Verkauf weiter trocknete. Der größte Anteil des Salzes wurde aber nicht zum Würzen, sondern zum Haltbarmachen der Nahrung verwendet. Es gab ja keine Konservendosen und keine Kühlschränke. Die einzige Möglichkeit, Nahrungsmittel zu konservieren, war Salz. Fleisch wurde zu Pökelfleisch, Heringe zu Salzheringen.

Salz war unentbehrlich, und der Handel mit Salz, die Verschiffung über See und der Transport über Salzstraßen sicherte ein einträgliches Geschäft.