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Verkehrssicherheit

Aufgrund des Winterdiensteinsatzes sinkt die Unfallrate um 80 bis 85 Prozent des Wertes vor der Streuung. Der Verlauf der Unfallrate vor und nach Winterdiensteinsätzen zeigt, dass die Zahl der Unfälle in den Stunden vor dem Einsatz stetig ansteigt. Bereits unmittelbar nach der Durchführung des Winterdienstes sinkt sie aber rasch auf ein deutlich niedrigeres Niveau ab.

Der Winterdienst mit Auftausalz vermeidet schon innerhalb der ersten Stunden nach dessen Einsatz 2.500 Unfälle mit Personenschäden (davon etwa 1.000 Unfälle mit Schwerverletzten oder Getöteten) und 6.000 Unfälle mit Sachschäden - hochgerechnet auf alle Außerortsstraßen in den alten Bundesländern ohne Autobahnen. Diese Zahlen zeigen, dass bei Winterglätte nicht nur die Zahl der Bagatellunfälle ansteigt, sondern insbesondere auch die Zahl der schweren Personenschäden überdurchschnittlich zunimmt. Die Zahl der durch Winterdienst verhinderten Unfälle beträgt für Deutschland jährlich etwa 13.000. Durch rechtzeitigen und effizienten Winterdienst wird die Zahl der schweren Personenschäden besonders stark reduziert.

Ökobilanz Salz / Splitt

Splitt ist weder wirtschaftlich noch ökologisch für kommunale Straßen eine Alternative zu Auftausalz.

Für die Herstellung und Ausbringung von abstumpfenden Streumitteln benötigt man für den gleichen Einsatzzweck einen dreifach höheren Energieaufwand als für Auftausalz. Hinzu kommt noch ein erheblicher Entsorgungsaufwand. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Hydrotox GmbH und des Öko-Instituts e.V. zu einem ökologischen Systemvergleich verschiedener Streumittel.

Die im Auftrag des Umweltbundesamtes durchgeführte Studie bewertet den ökologischen und wirtschaftlichen Nutzen von chemischen Auftaumitteln auf Formiat-Basis und Calcium/Magnesiumacetat im Vergleich zu herkömmlichem Auftausalz, Calciumchlorid sowie abstumpfenden Streumitteln (z.B. Splitt) im kommunalen Winterdienst.

Im ökologischen Vergleich der Streu- und Enteisungsmittel wurde auch eine orientierende Ökobilanz berücksichtigt. Organische Auftaumittel und abstumpfende Streumittel im Straßenwinterdienst weisen hinsichtlich Primärenergieverbrauch, Treibhauspotential und Kosteneffizienz deutliche Nachteile gegenüber Auftausalz auf.
 

Bei Eis- und Reifglätte sind abstumpfende Stoffe wirkungslos. Unfallanalysen bestätigen, dass mit abstumpfenden Streustoffen nicht das Maß an Verkehrssicherheit erreicht werden kann wie mit Auftausalz.

Im Gegensatz zum Auftausalz beseitigen abstumpfende Stoffe die Glätte nicht, sondern vermindern die Glätte lediglich vorübergehend. Der für den Bremsweg und die Fahrstabilität maßgebende Kraftschluss zwischen Fahrzeugrad und Fahrbahn wird damit nur geringfügig verbessert.

Probleme mit abstumpfenden Streustoffen

  • Hoher Streustoffbedarf, etwa zehn- bis zwanzigfache Menge
  • Umweltgefährdung durch Ablagerung von Streumaterial in Grünbereichen
  • Aufhöhung von Seitenstreifen und dadurch erschwerter Wasserabfluss
  • Glasbruch und Lackschäden durch hoch gewirbeltes Grobkorn
  • Vorzeitiger Verschleiß der Fahrbahnmarkierungen durch schmirgelnde Wirkung
  • Verstopfen von Entwässerungsanlagen, Einlaufschächten und Rohrleitungen (Kanalisation), hoher Reinigungs- und Entsorgungsaufwand
  • Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit
  • Staubentwicklung mit Gesundheitsgefährdung
  • Schwermetallgehalte
  • Entsorgungsprobleme (Sondermüll)

Die benötigte Menge pro Flächeneinheit ist bei abstumpfenden Stoffen im Vergleich zu Auftausalz um mehr als das Zehn- bis Fünfzehnfache größer. Hinzu kommen eventuell erforderliche Nachstreuungen, da der Splitt nach 300 bis 500 Fahrzeugüberfahrten aus der Rollspur geschleudert ist. Entsprechend höher ist der finanzielle Aufwand für Kauf, Transport, Lagerung und Streuung sowie der personelle Aufwand bei der Ausbringung und Wiederaufnahme, denn letztlich müssen die abstumpfenden Mittel wieder aufgekehrt, entsorgt oder aufwendig recycelt werden.

In der Schweiz wurde im Auftrag des Bundesamts für Straßen die Studie „Salz- oder Splittstreuung im Winterdienst“ für den Winterdienst innerorts durchgeführt. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass dem Winterdienst mit Salzstreuung in Kombination mit der Nullstreuung eindeutig der Vorzug zu geben ist. Die Splittstreuung kommt in der Schweiz nur noch in Ausnahmefällen, z.B. in Wintersportorten („Ästhetik des weißen Schnees“) in Frage.

Die im Rahmen der Studie erstellte Ökobilanz hat gezeigt, dass die Salzstreuung mit Blick auf die ökobilanzrelevanten Belastungen (Energie- und Wasserbedarf, Luft- und Wasseremissionen, Abfallmengen) deutlich besser als die Splittstreuung abschneidet.

Differenzierter Winterdienst

Im Rahmen des Differenzierten Winterdienstes gilt die Empfehlung: Die Verwendung der Streustoffe erfolgt nach Verkehrsbedeutung der Straßen, deren Trassierung und dem Einsatzfall.

Neue Forschungserkenntnisse lassen für die bisherige Winterdienst-Praxis der meisten Städte und Gemeinden ein Umdenken notwendig werden. Durch die Studienergebnisse wurden die Erfahrungen vieler Winterdienst-Verantwortlichen bestätigt, dass nämlich die Streuung abstumpfender Stoffe wirtschaftlich und ökologisch wenig sinnvoll ist.

Mit dem Differenzierten Winterdienst wird der Einsatz von Salz auf allen Straßen empfohlen, auf denen aus Gründen der Verkehrssicherheit und des Verkehrsflusses ein höherer Kraftschluss zwischen Fahrzeug und Fahrbahn erreicht werden muss, nämlich auf

  • überörtlichen Verbindungen, Durchgangsstraßen
  • Gemeindeverbindungsstraßen
  • Hauptverkehrs-, Hauptsammelstraßen, Straßen mit hoher Verkehrsbelastung
  • Straßen mit besonderen Verkehren (ÖPNV)
  • besondere Gefahrenstellen

Auf allen anderen Straßen, auf denen die Streuung von Salz nicht erforderlich ist, ist grundsätzlich die Nullstreuung zu empfehlen. Die mittlerweile üblichen geringen Streumengen an Auftausalz und die modernen Ausbringungsverfahren erlauben eine gezielte und sparsame Salzanwendung. Kritische Belastungen für die Umwelt können so verhindert werden.

Die gemachten Erfahrungen im Winterdienst der vergangenen Jahre zusammen mit den vorliegenden Studien finden ihren Niederschlag in dem von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) in Verbindung mit dem Bundesminister für Verkehr Ende 1997 neu herausgegebenen „Merkblatt für den Unterhaltungs- und Betriebsdienst an Straßen, Teil: Winterdienst“ sowie der vom Verband Kommunale Abfallwirtschaft und Stadtreinigung e.V. (VKS) 1997 herausgegebenen Informationsschrift „Differenzierter Winterdienst im kommunalen Bereich“.

Salz-, Splitt- und Nullstreuung

Salz

  • Unverzichtbar auf verkehrswichtigen und gefährlichen Straßenabschnitten.
  • Wirtschaftlichster Streustoff mit Blick auf Streu- und Ausbringungskosten.
  • Bei vorsichtiger Dosierung und Ausbringung keine kritischen Umweltschäden.
  • Feuchtsalz-Einsatz verbessert die Wirkung und verringert die Salzmenge.

Splitt

  • Geringe Wirkung auf den Verkehr: Kraftschluss verbessert sich nur geringfügig.
  • Erheblicher Kostenfaktor (5 bis 10 Mal höher als Salzstreuung) durch große Streumengen und Wiederaufnahme bzw. Entsorgung.
  • Staubbelastung ist erheblich gesundheitsgefährdend für Anwohner und Kehrpersonal.
  • Kein restlos funktionierendes Recyclingverfahren vorhanden.
  • Nur auf geschlossener Schneedecke leichte Verbesserung des Kraftschlusses.

Nullstreuung

  • Auch ohne Streuung auf Nebenstraßen ein gutes Sicherheitsniveau, da die Verkehrsteilnehmer ihre Fahrweise anpassen.
  • Auf diesen Strecken ist die Nullstreuung im Vergleich zur Splittstreuung mindestens gleich gut.
  • Keine Kosten und Umweltbelastung.

Umwelt

Seit den 50er Jahren konnte mit Hilfe neuer Winterdienst-Technologie die Streumenge um 50 Prozent reduziert werden.

Zur Beseitigung winterlicher Straßenglätte wird seit Ende der fünfziger Jahre Auftausalz verwendet. Die zunehmende Verwendung führte zu Auseinandersetzungen mit Umweltfragen. Der Schutz der Umwelt wurde auch beim Straßenwinterdienst zur Verpflichtung. Im letzten Jahrzehnt sind die Fortschritte technischer und organisatorischer Art durch Praxisversuche und Forschungsergebnisse erweitert worden.

Der Winterdienst mit Auftausalz ist in den letzten Jahren, auch im Sinne des Umweltschutzes, wesentlich verbessert worden, vor allem wegen der Feuchtsalztechnologie, der Einführung EDV-gesteuerter, geschwindigkeitsabhängiger Streutechniken, der verbesserten Straßenwetter-Beobachtung und -Prognose sowie der Optimierung der Einsatzplanung. Wurden in den sechziger Jahren noch mehr als 40 g/m2 Auftausalz eingesetzt, so sind es heute je nach Witterung nur noch 10 bis 20 g/m2. Hinzu kommt - wo es für verantwortbar gehalten wird - Nullstreuung in Wohnstraßen.

Intensivierte mechanische Schneeräumung

Die eingesetzte Räumtechnik setzt auf verstärkte mechanische Räumung (bessere Pflüge oder zusätzlichem Einsatz von Kehrbesen) und schließlich reduziertem Streuen. Zusätzlich wurde das Anforderungsniveau herabgesetzt: Nullstreuung auf Wohnstraßen. Eine Studie der Technischen Hochschule Darmstadt belegt, dass durch eine Verbesserung der Schneeräumung der Streustoffeinsatz reduziert werden kann. In der Praxis hat sich eine Kombination als günstig erwiesen, bei der durch Räumen so viel Schnee wie möglich von der Fahrbahn entfernt wird, was die Menge noch zu applizierender auftauender Streustoffe zu reduzieren ermöglicht.

Besonders effektiv ist der Einsatz von Räum-Kehr-Kombinationen. Dabei räumt ein Schneepflug Schnee zur Seite und ein nach geschalteter Besen kehrt weitere Schneereste weg. Dadurch verringert sich die auf der Fahrbahn verbleibende Schneemenge im Vergleich zum Schneepflug um bis zu 82 Prozent. Der Durchschnittswert liegt bei 42 Prozent. Die Studie zeigt weiterhin, dass sich hinter dem Räumgerät der Reibbeiwert durchschnittlich um 43 Prozent erhöht.

Wichtig ist, dass die zeitnahe Streuung bei entsprechenden Witterungsverhältnissen nach wie vor unerlässlich ist, um die Räumfähigkeit des Schnees zu gewährleisten. Eine intensive Schneeräumung in Kombination mit Tausalzanwendung optimiert den Winterdiensteinsatz - mit Blick auf die Verkehrssicherheit ebenso wie mit Blick auf die Umwelt.

Wirtschaftlichkeit

Der wesentliche Faktor beim Errechnen des Winterdienstnutzens sind die vermiedenen Unfallkosten, die fast 90 Prozent der Einsparungen ausmachen.

Die Zusammenstellung der Verkehrs- und Betriebskosten ergibt in der Summe auf winterlicher, glatter Fahrbahn einen Mehraufwand von 0,20 Euro pro Fahrzeugkilometer gegenüber der trockenen Fahrbahn. Durch einen effizienten Winterdienst können hiervon 0,18 Euro pro Fahrzeugkilometer eingespart werden. Für jeden auf gestreuter statt glatter Fahrbahn zurückgelegten Kilometer Fahrstrecke lässt sich also ein Nutzen von 0,18 Euro pro Fahrzeugkilometer nachweisen. Wesentlicher Faktor beim Errechnen des Winterdienstnutzens sind dabei die vermiedenen Unfallkosten, die fast 90 Prozent der Einsparungen ausmachen.

Durch rechtzeitigen Winterdienst lassen sich hochgerechnet für Deutschland beträchtliche Einsparungen erreichen. Innerhalb einer Winterperiode können durch den Einsatz von Auftausalz in der ersten Stunde nach dem Einsatz auf den Außerortsstraßen (ohne Autobahnen) Kosten in Höhe von etwa 255 Millionen Euro und auf den Autobahnen Kosten in Höhe von 64 Millionen Euro vermieden werden. Zusätzlich werden etwa 450 Jahre Reisezeit eingespart.

(Quelle: Dr.-Ing. Horst Hanke
Direktor des Landesbetriebs für Straßenbau, Neunkirchen/Saarland
Leiter des Arbeitskreises Winterdienst der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen)

Feuchtsalz-Technologie

Feuchtsalz verhindert die Verwehung bei der Ausbringung, ermöglicht größere Streubreiten, haftet auf reif- und eisglatter Fahrbahn besser als Trockensalz, setzt dazu den Auftauprozess schneller in Gang und hält die Straßen länger eisfrei.

Feuchtsalz entsteht durch Anfeuchten des trockenen Auftausalzes mit Salzlösungen (NaCl, CaCl2, MgCl2). Durch die schnellere Wirkung und die geringeren Wehverluste ist bei Feuchtsalz die Verwendung geringerer Mengen bei gleichzeitiger höherer Wirksamkeit möglich. Die Feuchtsalzstreuung hat sich außerorts innerhalb der achtziger Jahre stark verbreitet. Seit Anfang der neunziger Jahre wird sie zunehmend auch innerorts eingesetzt. Neben dem üblichen Feuchtsalz (FS 30) gibt es noch eine seltenere Variante (FS 5).

Vorteile der Feuchtsalzstreuung

1. Geringere Umweltbelastung

  • verringerte Wehverluste in die Straßenseitenräume
  • Verringerung der Taustoffmenge durch vollständige Ausnutzung

2. Steigerung der Verkehrssicherheit

  • besseres Haftvermögen
  • längere Verweildauer
  • ermöglicht witterungskonforme Streuung
  • verbesserte Anfangstauwirkung
  • gleichmäßiges, dichtes und homogenes Streubild
  • Einsatz bei tieferen Temperaturen

3. Steigerung der Wirtschaftlichkeit

  • Einsparung durch geringere Mengen
  • größere Reichweite der Streufahrzeuge

Feuchtsalz-Streutechnik: FS 30

In den Streugutbehältern der Fahrzeuge wird trockenes Salz geladen. In separaten, seitlich an den Streugutbehältern angebrachten Soletanks befindet sich NaCl-, CaCl2- oder MgCl2-Sole. Während des Transports sind Salz und Sole getrennt. Die Vermischung von Auftausalz und Sole erfolgt unmittelbar vor der Ausbringung auf dem Streuteller in einem Mischungsverhältnis von 70 Gewichtsprozent Auftausalz und 30 Gewichtsprozent Sole.

Verringerung der Umweltbelastung

Bei konsequenter Anwendung der Feuchtsalztechnik mit allen zuvor erwähnten Vorteilen werden im Winterdienst Einsparungen beim jährlichen Salzverbrauch von durchschnittlich 24 Prozent in Städten bis zu 44 Prozent auf den Straßen außerhalb der Städte erreicht; dies hat auch das mögliche Risiko der Umweltschäden entscheidend verringert.

Aufgrund der Kenntnisse der Einsparungspotentiale kann die Feuchtsalzstreuung aus Umweltgesichtspunkten generell für alle Winterdienstbetriebe empfohlen werden.

Feuchtsalz-Streutechnik: FS 5

Trockenes Auftausalz wird beim Beladen des Streufahrzeuges angefeuchtet. Das Salz-Sole-Gemisch setzt sich aus 95 Gewichtsprozent Auftausalz und 5 Gewichtsprozent Feuchtigkeit zusammen. Das gesamte Auftausalz im Streufahrzeug ist zu Beginn des Streueinsatzes durchfeuchtet. Beim Streuvorgang nicht ausgebrachtes Salz-Sole-Gemisch befindet sich in feuchtem Zustand im Streufahrzeug. Dadurch besteht die Gefahr, dass das feuchte Gemisch zusammen backt und mit dem Streufahrzeug nicht mehr ausgebracht werden kann. Deshalb muss das Streufahrzeug in der Salzhalle entleert werden.

Der Winterdiensteinsatz mit Auftausalz auf Außerortsstraßen erhöht erheblich die Verkehrssicherheit und senkt wesentlich die Unfallzahlen und die Unfallkosten.