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Salz - Baustein des Lebens

In den Urmeeren entstanden die Einzeller als kleinste Lebenseinheit. Sie nahmen Stoffe, die sie zum Leben benötigten, aus dem Meer auf und gaben Abfallprodukte des Stoffwechsels an das Meer zurück.

Diese fundamentalen Lebensvorgänge prägen noch heute das innere Milieu unseres menschlichen Körpers. Sie sind Grundlage der Regulation unseres Salz- und Wasserhaushaltes, der seinerseits zentrale Bedeutung für alle Stoffwechselprozesse im menschlichen Organismus hat. Die Entstehungsgeschichte macht verständlich, warum der Mensch bekanntermaßen je nach Lebensalter zu 50 bis 75 Prozent aus Wasser, oder konkreter ausgedrückt, aus Salzwasser besteht.

Dies wiederum erklärt, warum der Salz- und Wasserhaushalt für unser Leben von solch elementarer Bedeutung ist:

  • Denn nur über die Körperflüssigkeit kann Stoffwechsel erfolgen.
  • Nur in den Körperflüssigkeiten können die notwendigen Nährstoffe gelöst und zu den Zellen transportiert werden.
  • Und nur über den Weg der Körperflüssigkeiten können nicht mehr benötigte Substanzen sowie Giftstoffe abtransportiert werden.

Salz und Wasser

Unsere Körperflüssigkeit ist somit Ausgangs- und Endprodukt zahlreicher biochemischer Reaktionen. Sie ist Lösungsmittel, Transportvehikel, Wärmepuffer und Kühlmittel zugleich und für das Funktionieren der Lebensprozesse unentbehrlich.

Ein optimales Funktionieren dieser vielfältigen Prozesse ist aber nur gewährleistet, wenn die einzelnen Reaktionen fein gesteuert und aufeinander abgestimmt werden. Wohl deshalb hat die Natur im menschlichen Körper ein sehr feines Regulationssystem entwickelt, das den Salz- und Wasserhaushalt unabhängig von der aufgenommenen Salz- und Flüssigkeitsmenge über weite Bereiche konstant hält. Zentrales Steuerungsorgan ist hierbei die Niere; sie sorgt vor allem dafür, dass ein Mangel ebenso wie ein Überschuss an Wasser wie auch an Salz in kürzester Zeit ausgeglichen wird.

Der gesunde Mensch kann auf diese Regelmechanismen vertrauen. Er braucht sich um die tägliche Salzaufnahme nicht zu sorgen, denn in der Regel ist Salz für unseren Körper nicht schädlich. Das Gegenteil ist der Fall: Salz ist ebenso wie Wasser für unsere Gesundheit unerlässlich.

Unser Regulationssystem

Mehr als 100 Mechanismen hat die Natur entwickelt, um den Salz- und Wasserhaushalt im menschlichen Körper zu steuern.

Schon diese Tatsache demonstriert, wie elementar bedeutsam es ist, dass der SalzWasserhaushalt im Wesentlichen konstant bleibt, also dass ein Wasser oder Salzmangel rasch behoben und ein Wasser oder Salzüberschuss schnell ausgeglichen wird und dem Körper somit wieder die optimale Menge von Salz und Wasser zur Verfügung steht. Wichtigstes Organ dabei ist die Niere, die wohl schon deshalb im Körper gleich zweimal vorhanden ist.

Die Nieren: Leistungsstark und unverzichtbar

Der menschliche Körper verfügt über zwei Nieren mit jeweils rund einer Million einzelner Filterstationen, wissenschaftlich als Nephrone bezeichnet. Die Nieren erfüllen viele Aufgaben: Sie steuern den Säure-Base-Haushalt, kontrollieren den Mineralstoff-Haushalt, sind für die Ausscheidung von Stoffwechsel-Endprodukten wie Harnstoff und Harnsäure, sowie Ausscheidung von Fremd- und Giftstoffen wie z.B. Medikamenten verantwortlich, produzieren lokal wirksame Hormone wie das Renin, und sie regulieren, wie bereits erwähnt, den Salz- und Wasserhaushalt.

Weil die Funktion der Nieren für den Körper so wichtig ist, wird im Organismus bei diesen beiden Organen ebenso wie beim Gehirn für eine gleichmäßige Durchblutung gesorgt, die von allgemeinen Blutdruckschwankungen unabhängig ist. Man bezeichnet dieses Phänomen als Autoregulation.

Jede Niere ist etwa 10 bis 12 cm lang, etwa 5 bis 6 cm breit und wiegt 120 bis 180 g. Bei einem durchschnittlichen Gewicht von 300 g (zweimal 150 g) machen die Nieren damit weit weniger als 1 Prozent des Körpergewichts aus.

Gigantische Filterleistung

Der Mensch verfügt je nach Körpergröße über 5 bis 6 Liter Blut. Im Laufe eines Tages durchläuft dieses Blut etwa 300 Mal die Nieren. Täglich werden diese somit von 1.500 bis 1.800 Litern Blut durchströmt. Dabei filtern die zwei Millionen Nephronen rund 10 % des Blutes als Primärfiltrat ab. Man bezeichnet dieses auch als Primärharn. Er macht etwa 150 bis 180 Liter täglich aus.

Selbstverständlich kann eine solche große Menge an Primärharn nicht ausgeschieden werden. Damit würde auch zuviel Flüssigkeit und wertvolle darin gelöste Substanzen wie etwa Salze verloren gehen. Wichtige Bestandteile des Primärharns müssen deshalb von den Nieren zurück gewonnen und der Harn selbst muss konzentriert werden. Etwa 99 % des Primärharns werden dem Kreislauf so wieder zugeführt und nur rund 1 % wird als Urin ausgeschieden. Das sind im Mittel 1,5 bis 1,8 Liter täglich.

Da in einem Liter Blut 9 g NaCl enthalten sind, durchfließen bei der geschilderten, gigantischen Filterleistung der Nieren auch 1.350 bis 1.620 g NaCl pro Tag die beiden Organe.

Die Nieren sorgen über die raffinierten Filtermechanismen auch dafür, dass für den Körper wertvolle Substanzen wie Eiweiße zurückgehalten (Reabsorbtion) werden. Überschüssige oder schädliche Stoffe werden dagegen ausgeschieden (Sekretion). Dabei wird selbstverständlich auch die Reabsorption und Sekretion von Natrium auf das Genaueste geregelt.

Verschiedene Hormone sind an der Regulation des Salz- und Wasserhaushaltes beteiligt. Sie werden - selbstverständlich unter Steuerung durch unser Gehirn - in den Nieren gebildet, sind direkt vor Ort wirksam und werden auch als Gewebshormone bezeichnet.

Salz macht durstig

Wie perfekt der Salz- und Flüssigkeitshaushalt gesteuert wird, hat praktisch jeder schon einmal am eigenen Leibe erfahren. Denn auf ein besonders salziges Essen reagieren wir mit gesteigertem Durstgefühl. Dadurch wird der Körper veranlasst, mehr Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Diese ist notwendig, um den Überschuss mit dem Urin wieder auszuscheiden.

Auch der umgekehrte Weg wird beschritten: Mangelt es dem Körper an Salz, so bekommt man Appetit auf besonders salzhaltige Speisen, hat beispielsweise Verlangen nach einer kräftigen Brühe. Es entwickelt sich ein regelrechter Salzhunger, der in aller Regel zur Aufnahme salzreicher Kost und damit zum Ausgleich des Salzdefizits führt.

Doch nicht hormonelle Faktoren allein steuern die Regulation des Salz-Wasserhaushaltes. Diese ist noch weit komplexer, wobei physikalische, biochemische, hormonale Mechanismen und Vorgänge beteiligt sind.

Gemeinsam sorgen sie dafür, dass beim gesunden Menschen sichergestellt ist, daß ein Wasser wie auch ein Salzmangel in kurzer Zeit behoben wird. Ebenso wird ein Wasser wie auch ein Salzüberschuss rasch ausgeglichen. Nur so kann der Körper optimal funktionieren, und nur so ist langfristig Gesundheit zu erhalten.

Jegliches Leben auf unserer Erde geht auf das Salzwasser der Urmeere zurück.