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Bluthochdruck

Der Wissenschaftsjournalist Gary Taubes ist in der amerikanischen Zeitschrift SCIENCE dem Meinungsstreit nachgegangen. Er hat die wissenschaftlichen Begründungen analysiert und kommt zu dem Schluss, dass vor allem die Salzkritiker weniger wissenschaftlich als „politisch“ argumentieren.

Der gesundheitliche Effekt einer salzarmen Diät bei Bluthochdruckkranken ist häufig nur gering. Er rechtfertigt keine Forderung nach einer Salzeinschränkung für alle gesunden Menschen.

Ein Umdenken bei den Empfehlungen zur Salzeinsparung für die Allgemeinbevölkerung wurde durch die Ergebnisse der so genannten INTERSALT-Studie (BMJ, Vol 297, 1988) unterstützt. Bei dieser Studie wurden 10.100 Menschen zwischen 20 und 59 Jahre alt in 52 Bevölkerungsgruppen untersucht. Der Zusammenhang zwischen Blutdruck und Salzverzehr war nur schwach.

Analysen von den Forschern Midgley et al. (JAMA 1996) und Graudel et al. (JAMA 1998) bestätigen diese Auffassung. „Diese Ergebnisse unterstützen keine allgemeine Empfehlung für eine Natriumreduktion. Eine reduzierte Natriumaufnahme kann als ergänzende Behandlung bei Bluthochdruck eingesetzt werden“ (Graudal 1998).

Salz und Blutdruck

In die Schlagzeilen gerät Salz und die salzarme Ernährung vor allem jedoch immer wieder im Zusammenhang mit dem Blutdruck, wobei unterstellt wird, dass eine erhöhte Salzzufuhr den Blutdruck in die Höhe treibt. Wissenschaftliche Belege für diese These gibt es jedoch wie in zwei Cochrane-Analysen festgestellt wurde nicht.

Während eine dieser beiden umfassenden Datenanalysen alle Studien, die weltweit zu dieser Fragestellung publiziert wurden, hinsichtlich der Kurzeiteffekte einer salzarmen Ernährung auf den Blutdruck untersuchte, prüfte die zweite Analyse die weltweit verfügbaren Daten zu den Langzeiteffekten (länger als sechs Monate)

Kurzzeiteffekte einer Salzrestriktion

In die Analyse der Kurzzeiteffekte von salzarmer Kost gingen insgesamt 57 Studien bei Personen mit normalem Blutdruck und 58 Studien bei Hypertonikern, also bei Personen mit erhöhtem Blutdruck, ein.

Es wurde bei den Gesunden durch die salzarme Kost im Durchschnitt eine Blutdrucksenkung von 1,27 mmHg systolisch und 0,54 mmHg diastolisch gesehen und bei den Hypertonikern eine mittlere Reduktion des Blutdrucks um 4,18 mmHg systolisch und 1,98 mmHg diastolisch gegenüber Personen mit salzreicher Ernährung.

Die Wissenschaftler ziehen in ihrer Arbeit das Fazit, dass die vorliegenden Daten allgemeine Empfehlungen zur Salzbeschränkung bei der Nahrungsaufnahme bei Gesunden keinesfalls rechtfertigen. Bei Hochdruckpatienten kann durch salzarme Kost offensichtlich eine geringe Blutdrucksenkung erwirkt werden. 

Doch es ist fraglich, ob diese langfristig dem Patienten nutzt oder nicht vielleicht eher sogar schadet – zum Beispiel infolge der gegenregulatorischen Prozesse wie dem Sympathikusanstieg und der erhöhten Cholesterinwerte.

Langzeiteffekte einer Salzrestriktion

Eine ähnliche Situation zeigt sich entsprechend der Analyse bei den Langzeiteffekten einer salzarmen Ernährung. Die vorliegenden Daten sind deutlich spärlicher, da eine streng salzarme Kost langfristig kaum durchführbar ist.

Es ergab sich insgesamt betrachtet ein Rückgang des systolischen Blutdrucks um 1,1 mmHg und des diastolischen Blutdrucks um 0,6 mmHg. Auch diese eher marginale Blutdrucksenkung rechtfertigt nach Meinung der Autoren derzeit nicht pauschale Empfehlungen zur Salzbeschränkung bei der Nahrungsaufnahme.

Das gilt auch für Hypertoniker – zumindest solange, bis einwandfrei nachgewiesen ist, dass durch eine salzarme Kost die Rate an Komplikationen im Bereich des Herz-Kreislaufsystems und die Sterblichkeit gesenkt werden kann. Solche Belege fehlen bislang gänzlich.

Bis heute ist noch kein exakter wissenschaftlicher Beweis gelungen, warum Salz den Blutdruck angeblich ansteigen lässt oder warum es keinen oder nur einen geringen Einfluss auf den Blutdruck hat.

Mehr Informationen zu Salz und Gesundheit finden Sie in der Infoschrift „Salz und Blutdruck: Zusammenhänge überschätzt“.