Unser Regulationssystem
Mehr als 100 Mechanismen hat die Natur entwickelt, um den Salz- und Wasserhaushalt im menschlichen Körper zu steuern.
Schon diese Tatsache demonstriert, wie elementar bedeutsam es ist, dass der SalzWasserhaushalt im Wesentlichen konstant bleibt, also dass ein Wasser oder Salzmangel rasch behoben und ein Wasser oder Salzüberschuss schnell ausgeglichen wird und dem Körper somit wieder die optimale Menge von Salz und Wasser zur Verfügung steht. Wichtigstes Organ dabei ist die Niere, die wohl schon deshalb im Körper gleich zweimal vorhanden ist.
Die Nieren: Leistungsstark und unverzichtbar
Der menschliche Körper verfügt über zwei Nieren mit jeweils rund einer Million einzelner Filterstationen, wissenschaftlich als Nephrone bezeichnet. Die Nieren erfüllen viele Aufgaben: Sie steuern den Säure-Base-Haushalt, kontrollieren den Mineralstoff-Haushalt, sind für die Ausscheidung von Stoffwechsel-Endprodukten wie Harnstoff und Harnsäure, sowie Ausscheidung von Fremd- und Giftstoffen wie z.B. Medikamenten verantwortlich, produzieren lokal wirksame Hormone wie das Renin, und sie regulieren, wie bereits erwähnt, den Salz- und Wasserhaushalt.
Weil die Funktion der Nieren für den Körper so wichtig ist, wird im Organismus bei diesen beiden Organen ebenso wie beim Gehirn für eine gleichmäßige Durchblutung gesorgt, die von allgemeinen Blutdruckschwankungen unabhängig ist. Man bezeichnet dieses Phänomen als Autoregulation.
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Jede Niere ist etwa 10 bis 12 cm lang, etwa 5 bis 6 cm breit und wiegt 120 bis 180 g. Bei einem durchschnittlichen Gewicht von 300 g (zweimal 150 g) machen die Nieren damit weit weniger als 1 Prozent des Körpergewichts aus.
Gigantische Filterleistung
Der Mensch verfügt je nach Körpergröße über 5 bis 6 Liter Blut. Im Laufe eines Tages durchläuft dieses Blut etwa 300 Mal die Nieren. Täglich werden diese somit von 1.500 bis 1.800 Litern Blut durchströmt. Dabei filtern die zwei Millionen Nephronen rund 10 % des Blutes als Primärfiltrat ab. Man bezeichnet dieses auch als Primärharn. Er macht etwa 150 bis 180 Liter täglich aus.
Selbstverständlich kann eine solche große Menge an Primärharn nicht ausgeschieden werden. Damit würde auch zuviel Flüssigkeit und wertvolle darin gelöste Substanzen wie etwa Salze verloren gehen. Wichtige Bestandteile des Primärharns müssen deshalb von den Nieren zurück gewonnen und der Harn selbst muss konzentriert werden. Etwa 99 % des Primärharns werden dem Kreislauf so wieder zugeführt und nur rund 1 % wird als Urin ausgeschieden. Das sind im Mittel 1,5 bis 1,8 Liter täglich.
Da in einem Liter Blut 0,9 g NaCl enthalten sind, durchfließen bei der geschilderten, gigantischen Filterleistung der Nieren auch 1.350 bis 1.620 g NaCl pro Tag die beiden Organe.
Die Nieren sorgen über die raffinierten Filtermechanismen auch dafür, dass für den Körper wertvolle Substanzen wie Eiweiße zurückgehalten (Reabsorbtion) werden. Überschüssige oder schädliche Stoffe werden dagegen ausgeschieden (Sekretion). Dabei wird selbstverständlich auch die Reabsorption und Sekretion von Natrium auf das Genaueste geregelt.
Verschiedene Hormone sind an der Regulation des Salz- und Wasserhaushaltes beteiligt. Sie werden - selbstverständlich unter Steuerung durch unser Gehirn - in den Nieren gebildet, sind direkt vor Ort wirksam und werden auch als Gewebshormone bezeichnet.
Salz macht durstig
Wie perfekt der Salz- und Flüssigkeitshaushalt gesteuert wird, hat praktisch jeder schon einmal am eigenen Leibe erfahren. Denn auf ein besonders salziges Essen reagieren wir mit gesteigertem Durstgefühl. Dadurch wird der Körper veranlasst, mehr Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Diese ist notwendig, um den Überschuss mit dem Urin wieder auszuscheiden.
Auch der umgekehrte Weg wird beschritten: Mangelt es dem Körper an Salz, so bekommt man Appetit auf besonders salzhaltige Speisen, hat beispielsweise Verlangen nach einer kräftigen Brühe. Es entwickelt sich ein regelrechter Salzhunger, der in aller Regel zur Aufnahme salzreicher Kost und damit zum Ausgleich des Salzdefizits führt.
Doch nicht hormonelle Faktoren allein steuern die Regulation des Salz-Wasserhaushaltes. Diese ist noch weit komplexer, wobei physikalische, biochemische, hormonale Mechanismen und Vorgänge beteiligt sind.
Gemeinsam sorgen sie dafür, dass beim gesunden Menschen sichergestellt ist, daß ein Wasser wie auch ein Salzmangel in kurzer Zeit behoben wird. Ebenso wird ein Wasser wie auch ein Salzüberschuss rasch ausgeglichen. Nur so kann der Körper optimal funktionieren, und nur so ist langfristig Gesundheit zu erhalten.